Zur aktuellen Situation in Äthiopien:

Als Abiy Ahmed im Dezember in Oslo den Friedensnobelpreis entgegennahm, sagte er in seiner Dankesrede:„ Wir müssen eine Weltkultur des Friedens schaffen,….Frieden ist eine Arbeit der Liebe…“ Seit seinem Amtsantritt im April 2018 hat sich in Äthiopien enorm viel verändert. Die Veränderungen ermöglichten mehr Demokratie, mehr Mitsprache, mehr Rechte für Frauen aber diese neue Freizügigkeit hat auch dazu geführt, dass viele bis dato unterdrückte Konflikte nun mit Gewalt ausgetragen werden. Besonders die ethnische Gewalt nimmt in erschreckendem Maße zu. Abiy Ahmed war angetreten um Äthiopien zu versöhnen. Die Menschen sahen ihn als Hoffnungsträger. Doch zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ist das Land so gespalten wie eh und je. Die Regierung ist bemüht, die verschiedenen Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen.
Die größte Volksgruppe der Oromo fühlt sich seit langem unterdrückt und von wichtigen politischen Ämtern ausgeschlossen. Eine Gefahr für Abiy ist, dass er nicht auf die Forderung der Opposition eingegangen ist. Die Oppositionsparteien fühlen sich schon lange vom Reformprozess ausgeschlossen. Ende Januar ging Abiy Ahmend mit Massenverhaftungen gegen die Opposition vor. Und im Februar wurde die Meinungsfreiheit mit einem Anti-Hate Speech Gesetz wieder ein Stück weit eingeschränkt. Besonders die anhaltenden Proteste in der größten Region des Landes, in Oromia, könnten die Transformation zur Demokratie scheitern lassen.

Aufgrund von Corona wurden die für September geplanten Wahlen auf unbestimmte Zeit verschoben. Durch blutige Unruhen während und nach der Beisetzung des Sängers Hachalu Hundessa wurde jetzt der Anführer der Opposition Jawar Mohammed des Mordes an einem Polizisten beschuldigt und inhaftiert. Er wirft Abiy vor, ohne demokratische Wahlen kein legitimer Premierminister mehr zu sein. Jawar gründete 2013 einen eigenen Oromo TV Kanal OMN (Oromia Media Network) aus dem Exil in den USA. Er ist das Sprachrohr der Jugendbewegung der „Queeroo“. Jawar M. übergab inzwischen seine Arbeit an einen Nachfolger, um als Oppositionsführer des OFC (Oromo Federalist Congress) zusammen mit der OLF (Oromo Liberation Front) und ONP (Oromo National Party) anzutreten.
Während Abiy als Oromo für ein Vereinigtes Äthiopien propagiert, sagt Jawar, er sei in erster Linie Oromo und setzt sich vehement für autonome ethnische Regionen im Vielvölkerstaat Äthiopien ein.
Wir wollen weiter hoffen und beten, dass nicht die Hassprediger sondern die Friedenstifter das Leben in Äthiopien dominieren.